Die AVMD mit Manifestationsbeginn im Erwachsenenalter ist eine seltene, autosomal dominant vererbte Erkrankung. Wie bei Morbus Best finden sich auch bei der AVMD foveale Lipofuszinablagerungen im retinalen Pigmentepithel (RPE), das EOG ist hier jedoch im Vergleich zu M. Best meist normal oder nur geringfügig verändert.
Die AVMD stellt eine genetisch heterogene Erkrankung dar.
Im BEST1-Gen konnten bisher eine Reihe von Missense-Mutationen bei AVMD-Patienten nachgewiesen werden. Davon sind 2 Mutationen (T6P und A243V) ebenfalls mit M. Best assoziiert.
Schätzungsweise 18% der AVMD-Fälle werden durch Mutationen im PRPH2-Gen (früher RDS/Peripherin) verursacht.
Das BEST1-Gen besteht aus 11 Exonen, und umspannt 11,5 kb genomische DNA. Exon 2 bis 11 des BEST1-Gens kodieren für ein integrales Membranprotein von 585 Aminosäuren, genannt Bestrophin-1, und wird insbesondere im retinalen Pigmentepithel exprimiert. Dort spielt Bestrophin-1 eine Rolle in der Regulation der Membranleitfähigkeit. Bei der großen Mehrheit der BEST1-Mutationen (>93%) handelt es sich um Punktmutationen, die zu definierten Aminosäureaustauschen in der Proteinsequenz führen (Missense-Mutationen).
Das PRPH2-Gen auf dem kurzen Arm von Chromosom 6 besteht aus 3 Exonen und kodiert für ein Photorezeptor-spezifisches Membran-assoziiertes Glycoprotein. Mutationen im PRPH2-Gen führen zu einem variablen Phänotyp, z.B. Retinitis pigmentosa, Makuladegeneration und AVMD.
Untersuchungsmethode
Nach DNA-Präparation werden die kodierenden Exone 2 - 11 des BEST1-Gens in beide Richtungen direkt sequenziert. Bei der adulten Form der genetisch heterogenen AVMD liegt die Erfolgsquote für einen Mutationsnachweis im BEST1-Gen bei etwa 25%.
Sollte im BEST1-Gen keine Mutation nachgewiesen werden, bieten wir zusätzlich die Sequenzierung des PRPH2-Gens an.
Benötigtes Material
5 - 10 ml EDTA-Blut
Benötigte Unterlagen
vollständig ausgefülltes Anforderungsformular (inkl. Einwilligung nach GenDG, klinischer Angaben, Familienanamnese)
Versandart
ungekühlt per Post im wattierten Umschlag
Untersuchungsdauer
nach Materialeingang ca. 6 Wochen
Kostenträger
Gesetzliche Krankenkasse
Die molekulargenetische Labordiagnostik inkl. Humangenetischer Befundbericht wird bei Indikation von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen und unterliegt nicht dem Laborbudget des überweisenden Arztes. Die ambulante Abrechnung erfolgt mit einem Überweisungsschein (Muster 10). Bitte vermerken Sie auf der Überweisung im dafür vorgesehenen Feld (oben rechts) die Ausnahmeziffer 32010 (siehe auch „Informationen zum neuen Überweisungsschein“).
Privat
Die Kosten für die komplette Sequenzierung in beiden Richtungen inkl. DNA-Präparierung und Humangenetischer Befundbericht werden bei Indikation in der Regel von den Privaten Krankenkassen übernommen. Wir empfehlen dennoch, sich im Vorhinein die Kostenübernahme bestätigen zu lassen. Wir senden Ihnen dazu auf Nachfrage gerne einen Kostenvoranschlag für die geplante molekulargenetische Analyse zu.
Anschrift:
Zentrum für Humangenetik
Im Universitätsklinikum (Bau D3)
Franz‑Josef‑Strauß‑Allee 11
93053 Regensburg
Deutschland
H. Stöhr et al.: VMD2 und seine Rolle bei Morbus Best und anderen Retinopathien Ophthalmologe 2005, 102:116-121
Felbor, Schilling, Weber: Adult Vitelliform Macular Dystrophy Is Frequently Associated With Mutations in the Peripherin/ RDS Gene. Human Mutation 10:301.309 (1997)