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Retinitis Pigmentosa, X-chromosomal
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Information zur Molekulargenetischen Diagnostik
Retinitis Pigmentosa (RP) beschreibt eine heterogene Gruppe von genetisch bedingten progressiven Netzhautdystrophien, die insbesondere die periphere Netzhaut betreffen. Bisher konnten mehr als 130 unterschiedliche Genorte als kausal für die RP identifiziert werden.
Hauptsymptome der RP sind Nachtblindheit und Gesichtsfeldausfälle, die bis zur Blindheit führen können. RP kann autosomal dominant (15 - 20%), autosomal rezessiv (20 - 25%), X-chromosomal (10 - 15%), mitochondrial oder komplex vererbt werden. In etwa der Hälfte der Fälle findet sich keine auffällige Familienanamnese (sporadisch). Wahrscheinlich liegt einem Anteil der sporadischen Fälle ein autosomal rezessiver Erbgang oder eine Neumutation in einem dominanten Gen zugrunde.
Die klinisch am schwersten verlaufende Form ist die X-chromosomale RP. Betroffene Männer zeigen häufig einen frühen Krankheitsbeginn (vor dem 20. Lebensjahr) und erblinden teilweise oder vollständige bis zum 30. - 40. Lebensjahr. Frauen sind aufgrund der X-Inaktivierung oft deutlich milder betroffen.
Der X-chromosomalen RP liegen in etwa 70 - 90% der Fälle Mutationen im RPGR-Gen zugrunde, seltener finden sich Mutationen im RP2-Gen (10 - 20%).
Das RPGR-Gen (RP3, Xp11.4) besteht aus 19 Exonen und umspannt eine 70 kb-große genomische Region. Die meisten pathogenen Mutationen finden sich im hoch repetitiven sogenannten ORF15 (open reading frame 15) und führen zu einem vorzeitigen Abbruch der Proteintranslation. RPGR scheint eine wichtige Rolle beim Überleben der Photorezeptoren zu spielen.
Das RP2-Gen (Xp11.3) besteht aus 5 Exonen. Es kodiert für ein ubiquitär exprimiertes Protein, welches an der zytoplasmatischen Seite der Zellmembran lokalisiert ist. Die Funktion dieses Polypeptids ist bisher nicht genau bekannt, jedoch weist die Homologie zum Tubulin-spezifischen Cofaktor auf eine Rolle bei der Tubulin-Biogenese hin.
Untersuchungsmethode
Nach DNA-Präparierung wird in der Stufenanalytik zunächst mit der direkten Sequenzierung des ORF15 von RPGR begonnen. In der zweiten Stufe werden dann sukzessive die restlichen Exone des RPGR sowie die 5 Exone des RP2 sequenziert.
Die molekulargenetische Labordiagnostik inkl. Humangenetischer Befundbericht wird bei Indikation von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen und unterliegt nicht dem Laborbudget des überweisenden Arztes. Die ambulante Abrechnung erfolgt mit einem Überweisungsschein (Muster 10). Bitte vermerken Sie auf der Überweisung im dafür vorgesehenen Feld (oben rechts) die Ausnahmeziffer 32010 (siehe auch „Informationen zum neuen Überweisungsschein“).
Privat
Die Kosten für die komplette Sequenzierung in beiden Richtungen inkl. DNA-Präparierung und Humangenetischer Befundbericht werden bei Indikation in der Regel von den Privaten Krankenkassen übernommen. Wir empfehlen dennoch, sich im Vorhinein die Kostenübernahme bestätigen zu lassen. Wir senden Ihnen dazu auf Nachfrage gerne einen Kostenvoranschlag für die geplante molekulargenetische Analyse zu.
Anschrift:
Zentrum für Humangenetik
Im Universitätsklinikum (Bau D3)
Franz‑Josef‑Strauß‑Allee 11
93053 Regensburg
Deutschland
Wang et al.: Gene mutations in retinitis pigmentosa and their clinical implications. Clinica Chimica Acta 351 (2005) 5-16
Breuer et al.: A Comprehensive Mutation Analysis of RP2 and RPGR in a North American Cohort of Families with X-Linked Retinitis Pigmentosa. Am. J. Hum. Genet. 70:1545-1554, 2002