Die X-gebundene juvenile Retinoschisis (RS) ist eine vitreoretinale Degeneration mit frühen charakteristischen Veränderungen im makulären Bereich (radspeichenartige Läsionen). Im jugendlichen Alter entwickelt sich häufig eine foveale Schisis auf der Ebene der Ganglienzellschicht der sensorischen Netzhaut. Das zentrale Sehvermögen kann sich mit zunehmender Dauer der Krankheit verschlechtern. Mutationen im Gen RS1 liegen dieser Erkrankung zugrunde.
Das Gen RS1 in Xp22.1 setzt sich aus 6 Exonen zusammen und kodiert für ein 224 Aminosäuren-großes Protein, das sogenannte Retinoschisin. Die Exone 4 - 6 kodieren für eine funktionell wichtige und evolutionär hochkonservierte Discoidin-Domäne, die vermutlich für Zell-Zell-Interaktionen verantwortlich ist.
Bisher konnten über 100 verschiedene Krankheits-assoziierte Mutationen im RS1-Gen nachgewiesen werden Die gefundenen Mutationen decken das gesamte Spektrum ab und umfassen Missense- (60%), Splice Site- (10%) und Nonsense-Mutationen (9%), sowie kleine intragenische Deletionen/Insertionen (17%) und größere Rearrangements (4%).
Untersuchungsmethode
Nach DNA-Präparation werden die kodierenden Exone 1 - 6 in beiden Richtungen direkt sequenziert.
Die molekulargenetische Labordiagnostik inkl. Humangenetischer Befundbericht wird bei Indikation von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen und unterliegt nicht dem Laborbudget des überweisenden Arztes. Die ambulante Abrechnung erfolgt mit einem Überweisungsschein (Muster 10). Bitte vermerken Sie auf der Überweisung im dafür vorgesehenen Feld (oben rechts) die Ausnahmeziffer 32010 (siehe auch „Informationen zum neuen Überweisungsschein“).
Privat
Die Kosten für die komplette Sequenzierung in beiden Richtungen inkl. DNA-Präparierung und Humangenetischer Befundbericht werden bei Indikation in der Regel von den Privaten Krankenkassen übernommen. Wir empfehlen dennoch, sich im Vorhinein die Kostenübernahme bestätigen zu lassen. Wir senden Ihnen dazu auf Nachfrage gerne einen Kostenvoranschlag für die geplante molekulargenetische Analyse zu.
Anschrift:
Zentrum für Humangenetik
Im Universitätsklinikum (Bau D3)
Franz‑Josef‑Strauß‑Allee 11
93053 Regensburg
Deutschland
Tantri A et al.: X-linked retinoschisis: A clinical and molecular genetic review. Survey of Ophthalmology, 2004 Mar-Apr, Volume 49, Issue 2, Pages 214-230 A.
Sauer CG, Gehrig A, Warneke-Wittstock R, Marquardt A, Ewing CC, Gibson A, Lorenz B, Jurklies B, Weber BH. Positional cloning of the gene associated with X-linked juvenile retinoschisis. Nat Genet. 17:164-70 (1997)