Die MYH-assoziierte Polyposis (MAP) ist eine adenomatöse Polyposis Erkrankung, deren genetische Ursache erst im Jahr 2002 identifiziert wurde. Der Erbgang dieser MYH-assoziierten Polyposis ist autosomal rezessiv, so dass Betroffene meistens eine unauffällige Familienanamnese aufweisen. Die MAP ist wie die bekanntere familiäre adenomatöse Polyposis (FAP) mit Mutationen im APC-Gen durch das Auftreten einer Vielzahl von Darmpolypen gekennzeichnet, die histologisch Adenomen entsprechen. Im Gegensatz zur FAP treten die Polypen bei der MAP in der Regel später und weniger zahlreich auf, entarten später und mit geringerer Wahrscheinlichkeit. Allerdings ist der Verlauf auch innerhalb einer Familie sehr variabel. In Einzelfällen kann sich deshalb relativ früh Darmkrebs entwickeln, auch wenn die Zahl der Polypen gering ist. Krankheitssymptome außerhalb des Magen- und Darmtraktes scheinen nach dem heutigen Wissen im Gegensatz zur FAP selten vorzukommen und sind dann meistens harmlos.
Wer sollte auf MAP getestet werden?
In einer Studie wurden 152 Patienten mit multiplen (3 bis 100) Polypen und 107 APC unauffällige Patienten mit > 100 Polypen auf eine MAP im MYH-/MUTYH-Gen hin untersucht (Sieber et al., 2003):
Patienten mit 3 - 100 Polypen (4% MYH-/MUTYH-Mutationen)
Patienten mit 16 - 100 Polypen (33% MYH-/MUTYH-Mutationen)
Patienten mit > 100 Polypen und APC unauffällig (7.5% MYH-/MUTYH-Mutationen)
Einige Warnzeichen liefern Hinweise auf das mögliche Vorliegen einer MYH‑assoziierten Polyposis:
Patienten mit multiplen Darmpolypen/Adenomen (3 bis 100)
Ausschluss eines FAP-Syndroms
kein autosomal-dominantes Vererbungsmuster in der Familie
Familienmitglieder (Geschwister) mit Darmkrebs oder Darmpolypen
Bei der für die MAP verantwortlichen Erbanlage handelt es sich um das MYH-Gen auf Chromosom 1p34.3. MYH besteht aus 16 kodierenden Exonen und trägt die Information für die Bildung eines DNA-Reparaturproteins.
Untersuchungsmethode
Nach DNA-Präparation werden alle 16 kodierenden Exone des MYH-Gens mittels PCR amplifiziert und anschließend einschließlich der Intron/Exon-Spleißstellen sowie der flankierenden intronischen Bereiche direkt sequenziert.
Benötigtes Material
5 - 10 ml EDTA-Blut
Benötigte Unterlagen
vollständig ausgefülltes Anforderungsformular (inkl. Einwilligung nach GenDG, klinischer Angaben, Familienanamnese)
Versandart
ungekühlt per Post im wattierten Umschlag
Untersuchungsdauer
nach Materialeingang ca. 6 Wochen
Kostenträger
Gesetzliche Krankenkasse
Die molekulargenetische Labordiagnostik inkl. Humangenetischer Befundbericht wird bei Indikation von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen und unterliegt nicht dem Laborbudget des überweisenden Arztes. Die ambulante Abrechnung erfolgt mit einem Überweisungsschein (Muster 10). Bitte vermerken Sie auf der Überweisung im dafür vorgesehenen Feld (oben rechts) die Ausnahmeziffer 32010 (siehe auch „Informationen zum neuen Überweisungsschein“).
Privat
Die Kosten für die komplette Sequenzierung in beiden Richtungen inkl. DNA-Präparierung und Humangenetischer Befundbericht werden bei Indikation in der Regel von den Privaten Krankenkassen übernommen. Wir empfehlen dennoch, sich im Vorhinein die Kostenübernahme bestätigen zu lassen. Wir senden Ihnen dazu auf Nachfrage gerne einen Kostenvoranschlag für die geplante molekulargenetische Analyse zu.
Anschrift:
Zentrum für Humangenetik
Im Universitätsklinikum (Bau D3)
Franz‑Josef‑Strauß‑Allee 11
93053 Regensburg
Deutschland
Sieber OM, Lipton L, Crabtree M, Heinimann K, Fidalgo P, Phillips RK, Bisgaard ML, Orntoft TF, Aaltonen LA, Hodgson SV, Thomas HJ, Tomlinson IP (2003) Multiple colorectal adenomas, classic adenomatous polyposis, and germ-line mutations in MYH. New England Journal of Medicine 348(9):791-9.