Zentrum für Familiären Brust- und Eierstockkrebs

Molekulargenetische Diagnostik

Bei Erfüllung der Einschlusskriterien wird die molekulargenetische Diagnostik der 11 bekannten Brustkrebsgene angeboten. Bevor die Entscheidung für oder gegen die genetische Testung getroffen wird, wird die Betroffene ausführlich und in verständlicher Sprache über die Möglichkeiten und Grenzen der genetischen Testung sowie mögliche Ergebnisse und ihre Konsequenzen für die eigene Person und die Familie aufgeklärt. Als Hilfe bei der Entscheidung kann den Betroffenen und deren Verwandten eine psychologische Beratung angeboten werden. Fällt nach einer Bedenkzeit von etwa 4 Wochen die Entscheidung für die genetische Testung, wird in der Regel zuerst eine Indexpatientin (d.h. eine an Brust-und/oder Eierstockkrebs erkrankte Person) getestet. Die Analyse umfasst die Gene ATM, BRCA1, BRCA2, BRIP1, CDH1, CHEK2, NBN, PALB2, RAD51C, RAD51D und TP53 und dauert in der Regel 4-6 Wochen. Nach dieser Zeit und bei Vorlage des Testergebnisses wird erneut ein Termin zur Befundbesprechung vereinbart.

Wird eine pathogene (krankheitsauslösende) Mutation in einem der untersuchten Gene nachgewiesen, steht die Diagnose des erblichen Brust- oder Eierstockkrebses fest. Für die Betroffene selbst bedeutet dies, dass sie ein erhöhtes Risiko hat, ein weiteres Mal an Brustkrebs und/oder an Eierstockkrebs (und ggf. anderen Tumorarten) zu erkranken. Die Teilnahme an dem intensivierten Früherkennungsprogramm wird in Abhängigkeit von dem betroffenen Gen angeboten und die Möglichkeiten der risikoreduzierenden operativen Maßnahmen werden erläutert.

Prädiktive Diagnostik

Den nicht erkrankten Ratsuchenden aus der Familie kann ebenfalls eine Testung (prädiktive Diagnostik) angeboten werden. Die Angehörigen 1. Grades (Schwester, Bruder, Tochter, Sohn) der betroffenen Person haben eine 50% Wahrscheinlichkeit, ebenfalls Träger dieser Mutation zu sein. Wird die Mutation bei einer bisher nicht erkrankten Ratsuchenden nachgewiesen, hat sie ein erhöhtes Risiko an Brustkrebs, Eierstockkrebs und ggf. anderen Tumorarten (Darmkrebs, Magenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs) zu erkranken. Diese Frauen haben die Möglichkeit, an einem intensivierten Früherkennungsprogramm teilzunehmen und sie werden über die risikoreduzierende operative Maßnahmen beraten.

Die männlichen Anlageträger haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs, Prostatakrebs, Darmkrebs, Magenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ihnen wird daher dringend die Teilnahme an den gesetzlich vorgesehenen Krebsfrüherkennungsmaßnahmen empfohlen.

Falls bei den nicht betroffenen Ratsuchenden die in der Familie bekannte Mutation nicht bestätigt wird, können sie damit entlastet werden. Sie haben kein erhöhtes Risiko gegenüber der Allgemeinbevölkerung und können die Mutation an die Kinder auch nicht weitervererben. Für diese Fälle ist (für die Frauen) die Screening-Mammographie ab dem 50. Lebensjahr als Früherkennung und die Teilnahme an den anderen Früherkennungsmaßnahmen der gesetzlichen Krankenkassen zu empfehlen.

Nicht informativer Gentest

Falls bei der molekulargenetischen Diagnostik einer Betroffenen keine pathogene Mutation in den bekannten Genen ATM, BRCA1, BRCA2, BRIP1, CDH1, CHEK2, NBN, PALB2, RAD51C, RAD51D und TP53 nachgewiesen wird, kann eine erbliche Form von Brust-und/ oder Eierstockkrebs dennoch nicht ausgeschlossen werden, da die bisher bekannten Gene nur etwa 35-40% der familiären Erkrankungen erklären können. Es wird vermutet, dass weitere Risikogene existieren, nach denen zurzeit intensiv gesucht wird. Für die nicht erkrankte oder negativ getestete Ratsuchende wird mit Hilfe eines computerbasierten Kalkulationsprogrammes ihr Risiko berechnet, liegt dieses im Hochrisikobereich, wird ihr die Teilnahme an der intensivierten Früherkennung angeboten.

Therapie-begleitende Diagnostik (Companion Diagnostik) bei geplanter Olaparib Therapie bei Mammakarzinom und Ovarialkarzinom

Olaparib kann seit April 2019 zur Behandlung von Trägerinnen einer BRCA1- und/oder BRCA2- Keimbahnmutation mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem, HER2-negativem Mammakarzinom eingesetzt werden. Bei dieser Indikation wird Olaparib als Monotherapie angewendet. Die Patientinnen sollten bereits eine Anthrazyklin/Taxan-basierte Chemotherapie erhalten haben, wenn keine medizinischen Gründe dagegengesprochen haben.

Die EU-Kommission hat am 12. Juni 2019 die Zulassung von Olaparib erweitert: Der PARP-Hemmer kann als Erhaltungstherapie nach einer Primärtherapie beim BRCA-mutierten fortgeschrittenen Ovarialkarzinom eingesetzt werden. Die Empfehlung gilt für die Erhaltungstherapie von erwachsenen Patientinnen mit einem fortgeschrittenen (FIGO Stadium III und IV) BRCA 1/2-mutierten (Keimbahn und/oder somatisch) high-grade epithelialen Ovarial-, Eileiter- oder primären Peritonealkarzinom nach Ansprechen (komplette oder partielle Remission) auf eine Platin-basierten Chemotherapie.

Die Voraussetzung für diese Therapie ist eine pathogene Mutation im BRCA1- und/ oder BRCA2-Gen.

Die molekulargenetische Diagnostik in der Keimbahn kann nach dem Gendiagnostikgesetz jeder Arzt anfordern. Es müssen die Vorgaben des Gen DG (z.B. Aufklärung, Einwilligung) beachtet werden. Die notwendigen Formulare können auf https://www.humangenetik-regensburg.de/formulare_aerzte.html heruntergeladen werden.

Die Analyse erfolgt an EDTA Blut und kann innerhalb 2 Wochen abgeschlossen werden.

Falls in der Familie die Einschlusskriterien des Dt. Konsortiums für Familiären Brust- und Eierstockkrebs erfüllt sind, sollte aufgrund der klinischen und familiären Konsequenzen die molekulargenetische Diagnostik aller „Core Gene“ durchgeführt werden.

Seit dem 01.01.2020 wurde die Ziffer 11601 in den EBM Katalog aufgenommen zum "Nachweis oder Ausschluss von Mutationen in den Genen BRCA1 und BRCA2 in der Keimbahn zur Indikationsstellung einer gezielten medikamentösen Behandlung eines lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Mammakarzinoms, eines platin-sensitiven, eines fortgeschrittenen oder rezidivierten oder progressiven high-grade epithelialen Ovarialkarzinoms, Eileiterkarzinoms oder primären Peritonealkarzinoms, die laut Fachinformation obligat ist". Für die Abrechnung wird ein Laborüberweisungsschein Muster 10 benötigt.

Die Analyse auf somatische Mutationen im Tumorgewebe (relevant für die Therapie des Ovarialkarzinoms) erfolgt durch die Pathologie.