Präimplantationsdiagnostik
Methoden
Die Präimplantationsdiagnostik (PID) kann nur im Rahmen einer künstlichen Befruchtung mit intrazytoplasmatischer Spermieninjektion (ICSI) erfolgen und darf in Deutschland in Form der Polkörperdiagnostik (PKD) oder Trophektodermdiagnostik (TED, nur nach positivem Votum der zuständigen PID-Ethikkommission) von zugelassenen PID-Zentren durchgeführt werden.
Polkörperdiagnostik (PKD) Durch molekulargenetische Untersuchung von erstem und zweitem Polkörper kann auf das Vorhandensein einer spezifischen Genveränderung in der zugehörigen Eizelle rückgeschlossen werden (indirekte genetische Diagnostik). Wir haben in unserem Labor den Untersuchungsablauf zeitlich so optimiert, dass diese Diagnostik durchgeführt werden kann, ohne die Bestimmungen des deutschen Embryonenschutzgesetzes (ESchG) zu verletzen.
Der wesentliche Unterschied zur TED liegt gegenwärtig in einer deutlich niedrigeren Diagnoserate, da bei der PKD mit deutlich weniger Material gearbeitet wird, 2 bzw. 1 DNA-Molekül und in der Regel zwingend ein Ergebnis des 1. und 2. Polkörpers für eine valide Diagnose benötigt wird.
Trophektodermdiagnostik (TED): Die Entnahme des Trophektoderms (späterer Mutterkuchen und Eihäute) findet im Stadium der Blastozyste statt. Im Gegensatz zur PKD können bei der TED mütterliches und väterliches Erbgut des zukünftigen Embryos auf das Vorliegen der familienspezifisch bekannten Genveränderung(en) untersucht werden. Aus Zeitgründen erfordert die TED in der Regel zunächst eine Kryokonservierung aller Embryonen. Nach Abschluss der Untersuchung können geeignete Embryonen dann in einem späteren Spontanzyklus, ohne Hormonstimulation, eingesetzt werden.
Für monogene Erkrankungen erstellen wir ein gen-, mutations- und familienspezifisches Testsystem für Sie und ihre Erkrankung(en). Hierfür werden genetische Marker im Bereich der Mutation mit in Betracht gezogen. Für die Etablierung des Testsystems benötigen wir genetisches Material von Ihnen als Paar und ggf. weiteren Angehörigen.
Eine monogene Erkrankung ist eine Erkrankung, die durch eine genetische Veränderung in einem spezifischen Gen verursacht wird.
Alle Schritte der Testetablierung und der anschließenden Diagnostik werden mit größtmöglicher Sorgfalt ausgeführt. Trotz sämtmöglicher Sicherheitsvorkehrungen für unsere akkreditierten PID-Laborabläufe besteht jedoch für jede Schwangerschaft an unserem PID-Zentrum, wie auch an anderen PID-Zentren, methodisch bedingt ein Restrisiko von bis zu 3% nach TED und 5% nach PKD, dennoch die familienspezifische(n) Genveränderung(en) zu tragen und die zugehörige Erkrankung zu entwickeln. Wenn nach der PKD oder TED eine Schwangerschaft bei Ihnen eintritt, empfehlen wir Ihnen deshalb die Durchführung einer gezielten vorgeburtlichen genetischen Diagnostik.
Wir können Ihnen für die Trophektodermdiagnostik zusätzlich ein Screening auf zufällige Chromosomenfehlverteilungen aus der gleichen Biopsieprobe, das sogenannte Aneuploidiescreening anbieten.
Eine abweichende Anzahl von Chromosomen im Chromosomensatz einer Zelle (sogenannte Aneuploidie) liegt in einem hohen Anteil aller Eizellen und auch frühen Embryonen vor. Durch solche fehlenden oder zusätzlichen Chromosomen im Chromosomensatz embryonaler Zellen kommt es zu einer schweren Störung des genetischen Bauplans. Das Risiko hierfür steigt zusätzlich mit zunehmendem Alter. Embryonen mit Chromosomenfehlverteilungen haben eine sehr viel niedrigere Chance, sich einzunisten und resultieren dann meistens in einer frühen Fehlgeburt. Nur für wenige Aneuploidien ist eine Entwicklung bis zur Lebendgeburt möglich. Es wird angenommen, dass Chromosomenfehlverteilungen in der Eizelle und im frühen Embryo ein wesentlicher Grund für die niedrige Schwangerschaftsrate pro entnommene Eizelle bei jeder künstlichen Befruchtung sind. Durch eine Aneuploidie-Diagnostik sollen bei der künstlichen Befruchtung Embryonen mit normalem (euploidem) Chromosomensatz identifiziert und übertragen werden, um die Chance des Paares für eine Embryoeinnistung, intakte Schwangerschaft und Geburt eines Kindes mit normalem Chromosomensatz (Karyotyp) zu erhöhen und gleichzeitig das Risiko einer frühen Fehlgeburt zu senken. Mit der Aneuploidie-Diagnostik können methodisch bedingt strukturelle Chromosomenveränderungen (sog. balancierte Translokationen) oder kleinere Dosisveränderungen im Erbgut des Embryos, welche nur Teile einzelner Chromosomen als sogenannte (Mikro)-deletionen oder -duplikationen betreffen, ebenso wie Fehler in der Information einzelner Gene (Mutationen) als Ursache von Erbkrankheiten nicht erkannt werden. Die Auflösung dieser Methode (kleinste erkennbare veränderte Einheit) beträgt ca. 20 Mb mit unvermeidbaren individuellen Abweichungen in Folge von Probengröße und -qualität.